Über ein Leben und die Bedeutung von Glauben in einer sich rasant wandelnden Welt
Genau von eben diesem Leben erzählt „Summa summarum“, und es ist sicherlich nicht zu viel verraten, hier vorwegzunehmen, dass dieses Leben nicht so einfach geradeaus verlaufen sollte, nicht ohne Hindernis-se und Widerstände, die der Autor oft geradewegs zu suchen scheint, ihnen aber zumindest nicht aus dem Weg geht, denn Hellmanzik ist ein streitbarer Geist, zumindest für diejenigen, die ihren Konservatismus und ihre Traditionen über die Notwendigkeiten und Veränderungen stellen, die das Leben nun einmal mit sich bringt. Und die Welt ändert sich rasant. So halten Verbindungen, die ehrlich und auf Lebenszeit einge-gangen werden, hier ist von der Ehe die Rede, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit sicher nicht ganz ohne Grund als heilig galt, war sie doch auch Basis des wirtschaftlichen Überlebens, heute eben nicht mehr unbedingt ein ganzes Leben. Zumindest werden sie nicht mehr um fast jeden Preis und gegen das Glück der Menschen aufrecht erhalten. Man kann sich also vorstellen, dass ein Pastor, der sich (aus guten, nachvoll-ziehbaren und vor allem ehrlichen Gründen) von seiner Ehefrau scheiden lassen möchte, auch in der evan-gelischen Kirche auf beachtliche Widerstände treffen kann. Das beginnt buchstäblich schon damit, dass in diesem Fall ein Scheidungsbegehren einzureichen ist, gefolgt von einem entwürdigenden Prozedere: „Ich solle mich gemäß §§ 11 und 12 des Amtszuchtgesetzes äußern. Ich ahnte nicht, dass dies der Auftakt eines ent-würdigenden Verfahrens war, das mit christlicher Seelsorge wenig, mit kirchlicher Machtlogik aber alles zu tun hatte.“ Und einer solch offensichtlich grund- und sinnlosen Machtlogik tritt der Autor, wie gesagt offenbar nicht nur bewusst und intellektuell, sondern ganz instinktiv entgegen. Nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Politik und im Leben allgemein. Hellmanzik beschleicht ein ungutes Gefühl in solchen Dingen. So auch 1968. Wenn auch nicht in der Tat beteiligt, an den Osterunruhen 1968 in Frankfurt, insbesondere den Blockaden vor der Societäts-Druckerei, in der die FAZ und teilweise BILD gedruckt wurden, so war er doch in der Nähe, ein Zeuge, zutiefst berührt von den Rufen der Studenten nach einer wirklichen Meinungsfreiheit und -vielfalt, und erschüttert von der doch brutalen Antwort von deutschem Staat und seiner Polizei.
All das prägt das Leben und die Arbeit von Hellmanzik und wird im Buch sehr detailliert und verständlich, wenn auch mit einigen sicherlich für die Erzählung wichtigen Sprüngen durch die Zeit – dafür bieten Texte nun mal die Möglichkeit – erzählt. Und nicht nur durch die Zeit. Auch durch die Welt. Im Kleinen und im Großen.
Der Autor Hans-Peter Hellmanzik lebt in Bad Bevensen. Aufgewachsen als Flüchtlingskind im Arbeitermilieu, führte ihn sein Weg zunächst in die Wirtschaft, wo er als Kaufmann und später in leitender Funktion in einem Industrieunternehmen tätig war. Nach einer persönlichen Neuorientierung wandte er sich der Theologie zu und studierte unter anderem in der internationalen Gemeinschaft des SBT Beatenberg sowie im Predigerseminar Preetz. Prägend waren für ihn Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Kulturen sowie die Auseinanderset-zung mit theologischen Denkern des 20. Jahrhunderts. In seiner praktischen Arbeit entwickelte er eigenständige Konzepte in der Gemeindearbeit, insbesondere in der Konfirmandenarbeit („Wege nach innen“) und engagierte sich in Seelsorge, Diakonie und kirchlicher Bildungsarbeit. Darüber hinaus hielt er Vorträge im kirchlichen und gesellschaftspolitischen Kontext, unter anderem im Dialog mit politischen Entscheidungsträgern. Hellmanzik versteht sich als Brückenbauer zwischen Glaube, Gesellschaft und persönlicher Lebenspraxis. Seine Texte ver-binden biografische Erfahrung mit theologischer Reflexion und gesellschaftlicher Verantwortung.
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Honorarfreie Verwendung, Beleghinweis erbeten,
807 Wörter; 5603 Zeichen
