R. E. Brosa: Sonntagmorgens in der Provinz

Geschichten vom Fußballplatz

 

In der Provinz wird noch richtiger Fußball gespielt. Und das am Sonntagmorgen, jeden Sonntagmorgen. Und meistens sind es Heimspiele, was zum einen den örtlichen Pfarrer dieser im Buch nicht näher genannten Gemeinde ärgert, der nicht wirklich mit dem Volkssport Nummer eins zu konkurrieren vermag, zum anderen Heinz Ackermann, an dessen Grundstück der Bolzplatz grenzt und der vor Wut alle diese Grenze überfliegenden Bälle bei sich behält, was einen flüssigen Ablauf einer jeden Party zumindest erschwert. Neben dem halben Dorf als anonymer Fan und meist enttäuschter Zuschauer, sind das nur zwei der Protagonisten. Weitere wären beispielsweise der unglückliche Stürmer Julian Hebelmayer, sein russischer Nebenmann Dimitri Schlunski, der zeitweise einhändige Torwart Thorben Hoppemann, natürlich Trainer Jens Kolkokowsky sowie Manager Peter-Ulrich Lohmann, um nur einige zu nennen. Fehlen darf natürlich in diesem Sport auf keinen Fall der in der Provinz einsame und einzige Hooligan Matthias Sanftmann, der nur selten jemanden zum Verprügeln findet. Und so vergehen die Sonntage mehr oder weniger vergnüglich und es stellt sich nicht wirklich die Frage nach irgendeinem sportlichen Erfolg.

R. E. Brosa: Sonntagmorgens in der Provinz